Menschen Philosophie

Szenenwechsel

 

Drei Jungs stehen vor dem Brandenburger Tor. Nicht vor dem in Berlin, sondern vor dem in Potsdam am Luisenplatz. „Auf dieser Festplatte sind alle Alben von Clueso“, verkündet einer von ihnen stolz. „Ehrlich?“, staunt ein Zweiter. Die drei befassen die Festplatte wie einen heiligen Gegenstand. Clueso also. Beziehungen werden eröffnet. Beziehungen werden beendet. Dazwischen ein trauriges Leben. Clueso.

Szenenwechsel. Berlin. Hauptbahnhof. Gleis 13. Die S-Bahn verspätet sich. Wieder drei pubertäre Typen. Im selben Alter. Sie halten sich abwechselnd die Kopfhörer an das Ohr. Die Musik ist so laut aufgedreht, dass eine Reihe Passanten vorsichtig Abstand nimmt. Es dröhnt Sprechgesang aus den Ohrmuscheln. Die beliebtesten Themen sind Mütter, Plattenbauten und die angeblich dazugehörigen Ghettos. Probleme werden gemacht. Probleme werden benannt. Es bleibt wie und was es ist. Sprechgesang.

Beide Gruppen – in Potsdam und in Berlin – verlieren sich in der städtischen Melancholie

 

 

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