Games Technik

Spielt mit euren Kindern „Call of Duty“!

Ich kann mich gut an eine Situation im elterlichen Haushalt erinnern: Die Wirtschaftssimulation Tropico wollte von mir ausprobiert werden und ich überschritt leichtfertig das Limit der täglichen Nutzung des heimischen Rechners. Auf den wiederholten Ruf „ABENDBROT!“ reagierte ich mit einer neuen Maisplantage im beschaulichen „Paso del Norte“. Nach einer halben Stunde erschien meine Mutter und verlangte den sofortigen Verzehr unterschiedlicher Grundnahrungsmittel. Das Spielerlebnis wurde gestoppt und ich stapfte missmutig in das Wohnzimmer. Hätten meine Eltern ähnlich reagiert, wenn ich auf dem Fußballplatz in einem spannenden Match verwickelt gewesen wäre? Womöglich hätten sie die 90min Spielzeit abgewartet und bis zum Ende der zweiten Halbzeit Anekdötchen mit den anwesenden Zuschauern ausgetauscht. Niemand zerrte sein Kind vom Fußballplatz, wenn das Abendbrot auf dem Tisch stand. Wir verstanden nicht, warum es beim Computer spielen anders sein sollte?

Wir steckten in einer ganz besonderen Situation. Interessierte sich der Sohnemann vor dreißig Jahren für das Auto des Vaters, dann konnte der breitschultrige Herr Papa gut Auskunft über die komplizierte Technik geben. Fragten wir unseren Vater nach den Update- und Patchzyklen von Age of Empires 2, dann ernteten wir ein spöttisches „Iss deinen Möhrensalat auf, Junge!“. Sie waren schlichtweg mit den neuen Möglichkeiten der Spielewelt überfordert und es gab stets zwei falsche elterliche Reflexe. Die erste Reaktion: „Mit meinem Kind ist alles in Ordnung. Der spielt nur FIFA!“. Gefahr: Weit hinten im dunklen Kleiderschrank fanden sich die eigentlichen Favoriten des Kleinen. Zweite Reaktion: „Mein Kind bekommt kein Handy, keinen Fernseher, keinen PC und schon gar kein Killerspiel!“. Gefahr: Die Tochter oder der Sohn fühlte sich eingeengt und unverstanden – und spielte trotzdem, nur nicht Zuhause. Sie entzogen sich somit der elterlichen Kontrolle. Ein verheerender Punkt.

Welche Optionen gibt es heute? Eigentlich nur Eine: Interesse. Im Vordergrund steht die These, dass Eltern viel mehr über ihre spielenden Kinder erfahren, wenn sie mit am Spiel teilnehmen, denn Kreativität ist gemeinsam erfahrbar. Die Avatare der Kinder und Jugendlichen drücken doch viel aus. Meine Generation bekommt nun auch eigene Kinder und kann die Zweiteilung der Erfahrungswelten (Umkehrung: Kind bringt Eltern etwas bei) ein klein wenig auflösen, denn schon wir haben MARIO KART gezockt und wir vermuten richtig, wenn wir davon ausgehen, dass sie ganz schön an unseren Highscores zu knabbern haben. Lasset also die Spiele beginnen.

Artikebild: Major Nelson / CC BY-NC-ND 2.0

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