Film

Der Hobbit: Ein (un)erwarteter Abstand *Update*

Mein Gesicht beginnt zu strahlen, sobald Gandalf, Frodo, Bilbo, Saruman, Galadriel und Elrond nach langer Abstinenz im Film „Der Hobbit“ von Peter Jackson  auf der Kino-Leinwand auftauchen. Das grüne Auenland, das bezaubernde Bruchtal und das wuchtige Nebelgebirge kommen in Sicht und die Mundwinkel schnellen in die Höhe. Genauso rasch erstarrt jedoch die Freude im Gesicht. Eine lächerliche Szene reiht sich an die Nächste, die Ehrfurcht vor den starken Zwergen weicht und die Magie, der im Film vorkommenden Zauberer, wirkt nur noch wenig zauberhaft. Ein sehr ambivalentes Bild entsteht.

Technik ist nicht alles

„Der Hobbit“ führt die doppelte Bildwiderholrate in die Kinos ein. Das bedeutet, dass nicht 24, sondern ganze 48 Bilder pro Sekunde gezeigt werden. Dadurch entsteht ein schärferes Bild. Bisher wird dies aber nur von einigen Kinos unterstützt. Ich konnte den Film mit der erhöhten Rate anschauen und musste feststellen, dass das Auge sich ausgesprochen lang daran gewöhnen muss. Ich konnte mich in den ersten 30 Minuten kaum richtig der Geschichte zu wenden, da viele Handlungen, sei es nur das Greifen eines Buches, vollkommen schnell, fast hastig, ausgeführt werden. Die Gemütlichkeit der Bewegungen ist dahin. Es entsteht gar eine Videospieloptik. Charaktere und Gegenstände zeichnen sich durch die Erhöhung der Bildrate nun deutlicher vom Hintergrund ab. Diese Eingewöhnungszeit durchbricht den Einstieg in den Film. Der 3D-Effekt passt dagegen gut in das Konzept. Es macht Spaß die weiten Landschaften von Neuseeland durch die Polarisationsfilter zu betrachten. Auch der Anfang ist bombastisch inszeniert und führt mit einem großen Knalleffekt in die Geschichte ein.

Womit wir beim Ton und beim Soundtrack gelandet sind. Auch hier zeigt sich die Zwiespältigkeit des Films. Die Geräuschkulisse wummert, rasselt, zischt und passt sich den Gegebenheiten immer perfekt an. Der Soundtrack dagegen ist entweder aus „Der Herr der Ringe“ entlehnt (und dann besonders stark) oder plätschert langweilig vor sich hin. Hier wurde sich keine große Mühe gegeben. Am schlimmsten ist der Gesang der Zwerge in Bilbos Behausung. Gänsehaut-Feeling will hier gar nicht aufkommen. Das wirkt alles sehr lächerlich. Generell ist Lächerlichkeit ein großer Kritikpunkt. Wir sehen Elben auf Hirschen, Zauberer die Vogeldreck im Gesicht tragen und kleine Igel scheinbar stillen und danach auf einem Hasen-Schlitten(!) davon eilen. Natürlich soll das alles witzig sein. Natürlich war auch schon das Buch „Der Hobbit“ humorvoll angelegt – ist ja schließlich auch ein Kinderbuch. Aber das hielt sich in der Gesamtsumme dann doch in Grenzen. Versteht mich nicht falsch. Der Film hat gute komische Szenen, doch schnell tritt der Effekt ein, dass Trolle und Orks nach dem Film nur noch schwer Ernst genommen werden können.

Gandalfs Adler

Die Story geht größtenteils in Ordnung. Bruchtal ist noch immer langweilig und noch immer können die von Gandalf gerufenen Adler jede Situation klären. Haben wir uns nicht schon im „Der Herr der Ringe“ gefragt, warum alle Beteiligten nicht einfach zum Schicksalsberg geflogen sind und den Ring einfach reinwerfen? Hätte ein paar Leben gespart. Auch im Hobbit will diese Frage niemand wirklich aufklären. Warum fliegen Bilbo, die Zwerge und Gandalf nicht zum Erebor? Vielleicht weil der Film dann nach fünf Minuten vorbei wäre! Trotzdem: Diese schönen Tiere hätten uns drei überlange Hobbit-Teile erspart. Ein weiterer großer Kritikpunkt ist damit erwähnt. Warum mussten es drei Teile sein? Ein einziger langer Film hätte durchaus gereicht. Nicht jeder Satz, nicht jedes Komma muss verfilmt werden. Ein Film kann nicht nur Inhalte straffen und dramatisieren, er muss es sogar zwingend tun. Doch hinter diesem mehrteiligen Vorgehen steckt eine einfache Logik. Warner Brothers weiß, dass wir Fans in alle drei Streifen rennen werden. Warum also nur einmal eine Eintrittskarte verlangen?

Fazit

Der Regisseur Peter Jackson schafft es nicht, die Kinderbuchvorlage und die gewaltsamen Darstellung aus der Welt der Elben, Zwerge und Orks miteinander zu verbinden. Hinzukommt das Szenen gedehnt werden, alles besonders lang erzählt werden muss und der rechte Tolkien-Zauber nicht aufkommen will. Das ist schade, denn einige Passagen von „Der Hobbit – Eine unterwartete Reise“ sind wirklich gut geworden. Die Gollum-Szenen sind grandios inszeniert und sehr unterhaltend. Andy Serkis beweist mal wieder echtes Showtalent. Auch der Trollkönig und seine Untergebenen werden toll in Szene gesetzt. Doch all das täuscht über die Grundprobleme nicht hinweg. So sieht man dem Film die Überlänge in jeder Minute an und wäre das nicht schon genug, leistet man sich Patzer beim Soundtrack und den humorigen Einsprengseln. Dadurch entsteht ein Abstand zur wundervollen Tolkien-Welt und seiner Interpretation durch Peter Jackson.

*Update*

Eine zweite Meinung zum Film findet sich natürlich auch auf diesem Blog (von Jens Kirchner)

3 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Trymon sagt:

    Zu den Adlern möchte ich einen Kommentar abgeben. Wieso diese nicht einfach so mal die Truppe bis nach Erebor geflogen haben wird im Buch erklärt. Immerhin gibt es dort die Erklärung, denn der Film lässt die Frage offen. Die Adler wollten die Gruppe schlicht und ergreifend nicht weiter als bis zu diesem Punkt tragen. Zudem wurden sie eigentlich nicht von Gandalf gerufen sondern kamen zufällig am Ort des Geschehens vorbei. Sie waren neugierig weil die bösen Warge so einen Krach gemacht haben.
    Aber um deine Anspielung weiter bei zu behalten. Tolkien hat natürlich die Adler nicht bis zum Berg fliegen lassen, weil das Buch dann doch reichlich dünn geworden wäre. 😉

  2. Christian 'BerZerK' Skwirblis sagt:

    Servus! Mir gefällt der Film wirklich gut, auch wenn mir viele Dinge auch „zu lustig“ waren. Wobei ich mir aber im klaren war, daß das Buch wesentlich kindlicher geschrieben ist als Herr der Ringe. Inhaltlich bin ich (zum Glück?) nicht vorbelastet. Habe mir zwar damals nach dem Herr der Ringe Film Hype alles gekauft aber den Hobbit dann doch nicht gelesen und sogar das Hörspiel ist noch original verpackt. Soll aber nicht heißen, daß es mich interessiert hätte, ich hatte vor Ewigkeiten schon mal den Hobbit Zeichentrick gesehen, der mir aber nicht so gut gefallen hat wie der HDR Zeichentrick. So aber nun zu dem warum ich schreibe. Ich hatte mit meinen Freunden auch diese „Adlerdiskussion“ mich stört es auch, daß die inzwischen inflationär in Erscheinung treten denn – und jetzt kommts – Tolkien selbst war ihr „Einsatz“ schon nicht so geheuer

    Zitat aus der Ardapedia:

    Dieses Problem sah schon Tolkien selbst; er schilderte dies auch in einem brieflichen Kommentar zu einem ihm zugesandten Film-Treatment eines geplanten Der Herr der Ringe-Zeichentrickfilms, in welchem die Adler als dauerhaftes „Transportmittel“ auftauchen sollten:

    „Die Adler sind ein gefährliches Stück »Maschinerie«. Ich habe sie sparsam verwendet, bis zur absoluten Grenze ihrer Glaubhaftigkeit oder Nützlichkeit.“ — J. R. R. Tolkien: Briefe. Brief 210: Aus einem Brief an Forrest J. Ackerman.

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