Film

Der Hobbit (2. Teil): Ein Elb sie zu knechten

Die erste Szene des zweiten Teils von „Der Hobbit“ zeigt wie der Film zu bewerten ist. Die Stadt Bree taucht auf und die erste Person, die der Zuschauer erblickt, ist der Regisseur Peter Jackson. In ein dunkles, schmutziges Kostüm gehüllt geht er von links nach rechts, in der Hand eine Karotte, durch das Bild. Dieser Cameo-Auftritt von Jackson macht gleich für alle deutlich, dass hier der Regisseur sein ganz persönliches Bild vom Hobbit zeichnet und nicht der ursprüngliche Autor Tolkien. Bereits in meiner Rezension zum ersten Teil der Trilogie habe ich auf die starken und oft unnötigen Abweichungen von der Romanvorlage hingewiesen. Umso mehr überrascht es, dass der zweite Teil in der ersten halben Stunde vieles sehr richtig macht. Der Film entwickelt ein gutes Tempo und treibt die Handlung konstant voran. Auch finden sich hier die besten 3D-Effekte des Films (Die Hummeln!!).

Alles könnte so schön sein. Selbst die doppelte Bildwiederholrate wäre zu verkraften – wäre da nicht Legolas. Unwichtig festzustellen, dass Legolas natürlich nicht im Buch „Der kleine Hobbit“ von Tolkien auftaucht. Jackson stört das nicht. Der Teenie-Schwarm Orlando Bloom muss natürlich auftauchen. Es tut dem Film nicht gut. Seine Mimik beschränkt sich auf die immer gleichen bösen Blicke gen Zwerge, Orks und Seemenschen. Natürlich muss noch eine unnötige Liebesgeschichte hinzu und daher darf die ebenso neu eingeführte Elbenkriegerin Tauriel nicht fehlen. Legolas, wenn auch nicht im Buch „Der Hobbit“ aufgeführt, ist im „Der Herr der Ringe“ eine wichtige Figur. Hingegen ist Tauriel eine Erfindung des Regisseurs und kommt daher in keiner einzigen Geschichte von Tolkien vor. Warum sie in „Der Hobbit: Samugs Einöde“ auftaucht erschließt sich über die Dauer des Films nicht.

Wirklich schlimm ist die Manifestation von Sauron und sein Kampf mit Gandalf. Sauron mit bereits großen Kräften im Film ausgestattet bezwingt den Zauberer und der Zuschauer fragt sich unwillkürlich, wieso der Bösewicht trotz allem noch weitere 50 Jahre im Verborgenen lebt und erst dann seine neun Reiter ins Auenland aufbrechen lässt. Gelungen hingegen ist der Drache Smaug höchstselbst. Das ganze Design des Drachens und die tiefe Stimme (im Original eingesprochen vom Sherlock-Holmes-Darsteller Benedict Cumberbatch) überzeugen. Die Grenzen der digitalen Effekte werden jedoch beim flüssigen Gold im Inneren des Erebor deutlich. Flüssigkeiten scheinen den Animatoren noch immer große Probleme zu bereiten.

Doch das sind banale Dinge im Vergleich zur grobschlächtigen Behandlung der Vorlage durch den Regisseur Peter Jackson. Das Buch heißt auf Deutsch nicht ohne Grund „Der kleine Hobbit“. Es ist eine Kindergeschichte mit – und das ist der Unterschied zur Geschichte um den Ring – Humor. An bestimmten Stellen ist auch der zweite Filmteil witzig. Doch nach drei Stunden im Kinosessel verflucht man jede weitere zusätzliche, unnötige Szene und wünscht sich endlich den Tod des Drachen und die alles entscheidende Schlacht. Doch dafür hat Jackson den dritten Teil vorgesehen. Diese zwei Dinge, der Drachentod und eine Schlacht, werden dann wieder in über drei Stunden ausgebreitet mit weiteren, nicht nützlichen Szenen für den Plot. Doch um die eigentliche Geschichte geht es Jackson wohl schon lange nicht mehr.

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