Literatur

Bücherwirrwarr

Der literarische Einstieg ist nicht notwendig. Wir könnten beginnen mit der Vielfalt der Neuerscheinungen und der interessanten Auswahl an Wiederentdeckungen. Jedoch steht am Anfang die Begeisterung für spannende Geschichten, der Wunsch nach einem wirklich guten Buch. Die vielfältige Suche nach der richtigen Lektüre ist dabei grundlegendes Element der Recherche. Neue Bücher müssen hierbei immer neue Lieblingsbücher sein. Durchschnittskost verträgt sich nicht mit den uns gefühlt immer weniger zur Verfügung stehenden Entspannungsmomenten.

Esoterische Wünschelruten

Die Auswahl ist dabei nicht entscheidend. Aufmerksamsheischende Bestsellerlisten, übervolle Buchhandlungsschaufenster und Regalreihen die unzählige grüne, rote und gelbe Buchrücken ins rechte Licht zu rücken versuchen, schrecken nur ab. Hinzukommt die Gattung “Buchhändler”, die sich dem möglichen Geldgeber mit der Frage nähern „Haben wir schon etwas gefunden?” und auf die blasse Antwort „Nein!” ein gutgemeintes „Also Paulo Coehlo kann ich immer empfehlen!” von sich geben. Schon hier muss klar sein: Coehlo darf nicht immer empfohlen werden. Wer nichts mit modernen Kräuterhexen, mannstollen Esoterikern und melancholischen Wünschelruten zu tun haben will, der greift nicht zum Alchemisten. Was ist von einem Autor zu halten, der nur dann ein neues Buch beginnt, sollte er auf den Straßen Rio de Janeiros weiße Federn entdecken?

Fischmarktatmosphäre passt also nicht gut in die Suche nach literarischer Erfüllung. Dabei sind schnell einfache Anzeichen guter Buchaufbewahrungsarbeit zu nennen. Ich möchte in den Laden kommen, sofort die Möglichkeit besitzen mich zu setzen und einen Kaffee zu trinken. Gern darf kaufbereite Lyrik auf einem Beistelltischchen bereit liegen, zum Beispiel von Tomas Tranströmer. Das muss Amazon erstmal nachmachen. Natürlich eignet sich dieses erste Konzept nicht für große Ketten á la Weltbild und Thalia. Aber um einen berühmten Berliner Bürgermeister zu zitieren „… das ist auch gut so!”. Der Buchhändler darf nicht den Fehler machen und den Kunden zu früh ansprechen. Empfehlungen werden erfragt, nicht gewünscht. Wenn der Kontakt hergestellt ist, dann bloß nicht zur Alltagsware greifen. Schließlich erhalten diese “Bestseller” bereits prominente Plätze in der Buchhandlung und sind daher nur schwer zu übersehen. Buchempfehlungen können nur die Richtung vorgeben, das Ziel muss selbst erreicht werden. Klar ist: Nicht das meistverkaufte Buch muss an den Mann oder die Frau gebracht werden, DEIN Buch ist die wichtigste Aufgabe. Aber was ist damit genau gemeint?

Ein-Wort-Titel

Dir muss bewusst sein: Dein zukünftiger Schmöker wird zum ständigen Begleiter. Du lässt ihn sogar in dein eigenes Bett. Da überlegt man es sich gleich zweimal ob Jussi Adler Olsen diese Einladung erhält. Es fühlt sich doch viel besser an, wenn die heimliche Liebe sich ganz versteckt in das gemeinsame Nest setzt. Natürlich macht Prominenz attraktiv, aber so mancher berühmter Zeitgenosse entpuppt sich später als langweilige Kröte. Hab Mut dich deiner eigenen Lektüre zu bedienen.

Wir dürfen den Kaffee nicht vergessen! Im gemütlichen Sofa sitzend schauen wir uns in der Buchhandlung um. Beobachten die geschäftigen Vorgänge. Suchen uns einen Punkt an dem wir den Heiligen Gral vermuten, beginnen dort zu wühlen und zu graben. Am Ende entscheiden wir uns nicht für das prunkvolle Gefäß, sondern für die unscheinbare Verpackung und den aussagekräftigen Titel. Stephen King fällt hier bereits heraus. Seine Ein-Wort-Titel sind langweilig und wenig inspirierend. Die Überschriften  “Sara”, “Glas”, “Love”, “Wahn”, “Es”, “Amok”, “Sprengstoff” sind eine einzige “Qual”. Jonas Jonassons “Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand” wird aktuell nicht ohne Grund gern gelesen und gekauft. Danach gilt es sich schnell aus dem Staub machen. Damit ist nicht die fehlende Bezahlung angesprochen, sondern die Erkenntnis das die Suche sich schnell zur Obsession wandeln kann. Die zügige Abkehr lässt die erste, richtige Entscheidung unverfälscht.

Nun darf nur noch Vergnügen folgen. Vergnügen am kühlen Ozean, hitzigen Wüsten, schwindelerregenden Bergeshöhen, fremden Eindrücken und Erfahrungen, Leid, Lust, Trauer und Glück. Mehr nicht…

Artikelbild: Thomas Ascher / pixelio.de

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