Literatur

Auf in das Silo

Schon einmal ein E-Book gelesen? Nein? Dann schnell die Vorurteile gegenüber der Neuerung ablegen und zum elektronischen Lesegerät greifen. Es wartet ein Roman auf den geneigten Leser, der erst den amerikanischen Buchmarkt kräftig durchwirbelte und nun zum großen Sprung in Deutschland ansetzt. Der Stoff steht ausschließlich digital zur Verfügung und ist als Fortsetzungsgeschichte konzipiert. Der Titel: Silo. Der Autor: Hugh Howey. Das Szenario: Ein unterirdisches Silo umgeben von einer toxischen Außenwelt.

Der düstere Ausgangsschauplatz reiht sich ein in eine lange Liste von Endzeit-Geschichten, die auf dem Bücher- und Filmmarkt omnipräsent scheinen. Die Lust am Untergang ist groß. Der freudige, technische Aufbruch der 1950er und 60er Jahren ist einem pessimistischem Grundton gewichen, der sich viele Möglichkeiten des gesellschaftlichen Scheiterns vorstellen kann. Die Zukunft ist keine optimistische Vision mehr, sondern ein nahendes Schreckbild.

Auch im Silo von Hugh Howey herrscht ein trostloses menschliches Miteinander. Die kleine Bevölkerung ist erstarrt im befolgen von sinnfreien Regeln. Der Arbeitsalltag schleppt sich. Allein die übermächtige IT-Abteilung zwagt in regelmäßiger Abfolge große Mengen an Energie und Lebensmittel ab, ohne genau zu erklären warum der eigene Bedarf so immens hoch ist. Der Sheriff des Silos hat davon genug und verlangt nach draußen gehen zu dürfen. Auf solchen Äußerungen steht der Tod. Also wird der Sheriff in einen Raumanzug gepackt, mit Putzmitteln versehen und nach draußen gelassen. In der hochtoxischen Umgebung kann er jedoch nicht lange überleben und muss zusätzlich die Außenkameras des Silos putzen. Die Menschen im Inneren sehnen sich regelrecht nach dem ungetrübtem Blick auf den modrigen Planeten. Schon vorher hat sich der Protagonist immer gefragt, warum die vorherigen Todeskandidaten diesem Auftrag immer Folge geleistet haben? Stets putzen alle die Kameralinsen blank. Die Antwort auf diese Frage soll er jedoch rasch erhalten …

Der Autor Hugh Howey hat sein Buch selbst herausgebracht. Kein Verlag. Kein Lektor. Doch das hat dem Stoff nicht geschadet. Der erste Teil ist sogar noch kostenlos zu haben. Er soll den Leser für die vier weiteren, kostenpflichtigen Teile begeistern – und das schafft er auch. Die ersten 45 Seiten sind voller Spannung und Dramatik. Ein überaus gelungener Start. Zögert nicht länger, überwindet eure Scheu, ladet euch den ersten Silo-Teil herunter und macht euch auf in eine hochaktuelle Geschichte im Silo der Zukunft.

Artikelbild: Anja Müller / pixelio.de

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