Literatur

Überall ist Poe

„Einst, um eine Mittnacht graulich, da ich trübe sann und traulich müde über manchem alten Folio lang vergess’ner Lehr'“Poe

Der Anfang eines der berühmtesten Gedichte der us-amerikanischen Literatur. In der großartigen Übersetzung von Hans Wollschläger, wenn auch die Übertragung ins Deutsche von Carl Theodor Eben der Originalversion bezüglich Reim und Inhalt näher steht, so schaffte es Wollschläger dem Gedicht „Der Rabe“ eine gewisse Melodik zu verleihen. Doch der eigentliche Meister hinter den Worten ist Edgar Allan Poe.

Geboren am 19. Januar 1809 in Boston, Massachusetts. Sein Vater verließ die Familie früh und die Mutter starb zwei Jahre nach der Geburt des jungen Edgar Poe an Tuberkulose. Die kinderlose Frances Allan nahm Poe daraufhin in ihre Familie auf. Edgar Poe sollte den zweiten Nachnamen später selbst annehmen. Bereits an der Universität von Virgina (in Charlottesville) begann Poe exzessiv zu spielen und zu trinken. Er verschuldete sich haushoch und sein ehemaliger Vormund John Allan ( der Mann von Frances Allan) wollte den säumigen Studenten nicht länger finanzieren. Poe brach mit der Familie, ging zurück nach Boston und … fing an zu schreiben.

Die erste wirklich beachtete Kurzgeschichte sollte den Titel „Das Manuskript in der Flasche“ tragen. Man mag kaum glauben, dass es genau diese Geschichte war, welche heutige Horrorfilme maßgeblich beeinflusst hat. All die Filme, welche eine wacklige Handkamera als Grundlage für ihren authentischen Charakter benutzen (bsp.w. BLAIR WITCH PROJECT), beziehen sich eigentlich auf die Short Story von Poe. Die gewonnene Authentizität kann die Protagonisten sterben lassen, das Ende des Films wird nicht vorhersehbar. Die Kamera fällt herunter, der Erzähler stirbt, das Filmmaterial wird gefunden. Die Idee dazu hatte der Schriftsteller aus Boston. Nur das hier keine Handkamera, sondern eine Flaschenpost von Geisterschiffen und dem Ende der Welt berichtet.

Poe erhielt für diesen Einfall 50 US-Doller. Der Gewinn eines Preisausschreibens der Baltimore Saturday Visiter. Wirklich erfolgreich war Poe zu Lebzeiten nie. Er schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten durch. Schrieb für Zeitungen und Verlage, versuchte sich als Literaturkritiker und Auftragsjournalist. Zwischendurch erfand er das Genre der Detektivgeschichte. Das Wort Detektiv selbst gelangte dank Poe in die englische Sprache. In Erinnerung geblieben sind jedoch seine grotesken und gruseligen Geschichten, in denen es um Wahnsinn, dem Lebendig begraben werden und dem zahlreichen Tod durch Seuchen geht. Dazu gehören berühmte Erzählungen wie „Der Untergang des Hauses Usher“, „William Wilson“ und „Die Maske des roten Todes“. Einige dieser Geschichten sollten vom Meister des B-Movie Roger Corman und Schauspiellegende Vincent Price in den 1960 Jahren in Szene gesetzt werden.

Auch eine Hörspielserie sollte sich mit den Themen und dem Leben des Erfinder des Horrors auseinandersetzten. Hier werden besonders die mysteriösen Umstände des Todes des Schriftstellers näher beleuchtet. Generell gilt: Er starb im Oktober 1849 und seine Todesursache ist gänzlich unbekannt. Es gibt Theorien. Selbstmord oder Mord, Cholera, Diabetes, die Folgen seiner Trinksucht oder die Überlegung er sei Opfer von Wahlschleppern geworden, die an Wahltagen Menschen aufgriffen, betrunken machten und dann von ihren Kandidaten „überzeugten“.

Das Grab von Poe liegt in Baltimore und erst durch eine französische Übersetzung sollte er in Europa zu Nachruhm gelangen. Er war Symbolist, legte Grundlagen für die Entwicklung der phantastischen Literatur und der Kriminalliteratur, beeinflusste Schriftstellergrößen wie Wells, Lovecraft und Doyle.

Klar das bei solch einer interessanten Persönlichkeit Hollywood nicht weit entfernt ist. Am 24. Mai kommt in die deutschen Kinos der Film „Poe“. Nach den Vorbildern seiner Geschichten geschehen grässliche Morde im Großbritannien des 19. Jahrhunderts und der Schriftsteller wird um Mithilfe bei der Aufklärung gebeten.

Am Ende bleibt:

„ … und in seinen Augenhöhlen eines Dämons Träume schwelen, und das Licht wirft seinen scheelen Schatten auf den Estrich schwer; und es hebt sich aus dem Schatten auf dem Estrich dumpf und schwer meine Seele – nimmermehr.“

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