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Im Netz gehört mein Kind (nicht) mir

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Wir veröffentlichen Fotos, Videos, Adressen, Aufenthaltsorte und Telefonnummern auf Webseiten und Profilen in sozialen Netzwerken. Jeder entscheidet für sich selbst wie viel er preisgeben möchte. In Deutschland stützt man sich dabei auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1983. Damals wurde das „Recht auf informationelle Selbstbestimmung“ entwickelt.

„(…) Befugnis des Einzelnen, grundsätzlich selbst zu entscheiden, wann und innerhalb welcher Grenzen persönliche Lebenssachverhalte offenbart werden.BVerfGE

Ausgangspunkt dieser Entscheidung ist das allgemeine Persönlichkeitsrecht (Artikel 2 GG). Der Artikel 8 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union gewährt gleichermaßen jeder Person „das Recht auf Schutz der sie betreffenden personenbezogenen Daten.“ Warum gilt dieser Grundsatz nicht für Kinder? Auf Facebook laden stolze Eltern Bilder und Videos ihrer jungen Sprösslinge ins Netz. Ganz unbekümmert dürfen Verwandte, enge und nicht so enge Freunde diese bewerten und kommentieren. Häufig erfolgt keine Einschränkung des Nutzerkreises. Sie werden einfach gepostet. Viele stellen sich nicht die Frage, ob die Kinder es in zehn Jahren überhaupt gut finden, wenn es Bilder und Videos von Ihnen gibt, die niemand wirklich löschen kann. Es ist heute faktisch nicht möglich Informationen aus Facebook zu entfernen. Nur weil Facebook anbietet, die Daten von ihren Servern zu tilgen, heißt das nicht zwangsläufig, dass niemand mehr Zugriff darauf hat. Wer versucht sein Profil zu löschen, der kann sich ohne Probleme Wochen und Monate danach, erneut anmelden. Dies geschieht ohne Datenverlust. Wo haben meine Daten nach der Profillöschung gelagert? Wer hatte darauf Zugriff? Fragen, auf die niemand eine sichere Antwort geben kann.

Eltern, Verwandte und Freunde laden trotzdem freimütig Informationen von Kindern hoch, die sich dagegen nicht wehren können. Es sind unverfängliche Posts. Vollkommen harmlos. Doch selbst vermeintlich harmlose Dinge können unter neuen beruflichen oder gesellschaftlichen Gegebenheiten böse Nachwirkungen haben. Gerade in der Schule spielt das Thema Cybermobbing eine große Rolle. Selbst wenn es nachträglich nicht zu negativen Folgen kommt, hatten die Kinder womöglich nie die Chance selbst zu bestimmen was online von ihnen verfügbar sein soll.

Was also tun? Wir sollten sie einfach selbst entscheiden lassen! Ein erster Überblick über die Möglichkeiten, aber auch Gefahren des Internets müssen dem voranstehen. Erst dann kann jeder frei und selbstbestimmt entscheiden. Selbst wenn es die Veröffentlichung eines alten Porträts im Indianerkostüm aus dem Kindergarten ist.

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