Digitaler Ungehorsam Wissenschaft

Moderne Mächte

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Netzkampagnen haben sich jüngst deutlich professionalisiert. Die zunehmende Zahl an Social-Media-Anwendungen und Aktionsplattformen wie Avaaz.org, Change.org und Campact schaffen vielfältige Optionen der (politischen) Beteiligung. Dadurch stellen die neuen Proteste und politischen Kampagnen im Internet eine Herausforderung für die Forschung und die Art, wie „Politik gemacht wird“, dar. Neben der allgemeinen Definition politischer Beteiligung sowie der Unterteilung von zusammengehörigen Beteiligungsformen differenziert der Beitrag zwischen dem Grad der Intensität beziehungsweise des Aufwands einzelner Beteiligungsformen. Dabei wird erkennbar, dass Online-Aktivismus den gleichen Aufwand und Mut benötigen kann wie die klassische Beteiligung. Mithin ist Intensität keine Frage des Mediums und klassischer Beteiligungsinstrumente.

Meine neue Untersuchung zeigt, dass jedes Werkzeug eigenen Regeln unterliegt – Regeln, die den Gebrauch und die eigene Wahrnehmung beeinflussen. Somit bestimmt und lenkt die Wahl der Werkzeuge die Art des Protests. Der Lock-in-Effekt verschärft das Problem: Je größer und ausdifferenzierter Programme und bestimmte Technologien, desto schwieriger wird es, diese zu verwalten oder gar zu verändern. Die Beteiligung und der Protest in großen, etablierten Netzwerken forciert die eigene Abhängigkeit. Eine neue Machtform der Bürger_innen in der digitalen Demokratie ergibt sich durch den Gebrauch von Online-Beteiligungsmöglichkeiten. Die einhergehenden und gewachsenen Zwänge müssen hierbei erkannt, kritisch hinterfragt sowie aufgebrochen werden.

Auszug aus Winkler, Katrin/Makswitat, Eric, 2015: Digitale Demokratie als neue Machtform des Bürgers? Jakobs, Jann/Kleger, Heinz (Hrsg.), in: Bürgerbeteiligung zwischen Regierungskunst und Basisaktivierung: Ergebnisse eines Forschungsseminars 3, 31–42. Amazon.de

Bild: Hernán Piñera (CC BY-SA 2.0, flickr.com).

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