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Ein Tag im Mai

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Die Sonne wärmt unsere bleiche Haut. Es geht kein Wind. Alles grünt so vor sich hin. Einige sitzen gelassen auf dem weichen Gras, andere spielen Fußball, es wird wild durcheinander geredet. Die Rucksäcke hatten wir zuvor achtlos von uns gestoßen. Ein unbeschwerter Maitag und fast zwei Jahre her. Eine Gruppe von Masterstudenten in Potsdam, die sich erst seit ein paar Monaten kannte. Der Sommer verhieß heiß und die Arbeit für die Seminare überschaubar zu werden. Das Foto zeigt die Situation. Keiner schaut in die Kamera. Jeder ruht in sich. Über allem liegt die Gewissheit noch Zeit zu haben. Zeit für ein oder zwei Bier am Mittwochabend. Für ausgedehnte Gespräche am Mensatisch, die sich bis weit in den Nachmittag ziehen. Für Spaziergänge an den Kaimauern der Havel. Für wilde Feiern in der Nacht und endlose Debatten in Seminaren. Zeit, die jetzt knapper wird. Umbrüche sind klar erkennbar.

Noch bäumen wir uns auf. Reisen um die Welt, versuchen die verpflichtungsfreie Zeit noch einmal ausgedehnt zu nutzen. Doch schon häufen sich die Umzüge. Neue Aufgaben stehen an. Gleichzeitg vereinbaren wir Ehen, besprechen die Kindererziehung und planen Karrieren. Was bleibt? Zahlreiche Beschreibungen für unsere Generation lassen sich finden: die Net-Generation, die digitale Generation, die unpolitische Generation, die iPod-Generation, die Single-Generation, die verlorene Generation und so weiter und so fort. Generationen sind immer auch Konstrukte. Sie stellen Ereignisgemeinschaften dar. Einerseits haben wir den Älteren nur wenige Probleme gemacht. Leistung wurde gefordert und Leistung haben wir erbracht.

„Die Studenten haben hauptsächlich die Aufgabe des Dichters: sich und anderen Klarheit zu verschaffen über die zeitlichen und ewigen Fragen, die sich in der Zeit und der Gesellschaft, der sie angehören, regen.“Henrik Ibsen

Andererseits stellten wir bereits am Anfang unseres Studiums fest, dass der Arbeitsmarkt viele Leistungsträger mit exzellenten Qualifkikationen kennt. 2009 besetzten wir Hörsäale und forderten ein gerechteres Bildungssystem, dass sich weniger auf die Verwertbarkeit unserer Erkentnisse konzentriert und viel mehr auf die Kraft von Forschung und Wissenschaft. Vielleicht zeichnet uns gerade diese Widersprüchlichkeit aus, denn letztlich birgt der Übergang vom Studium in die Arbeitswelt auch neue Hoffnung. Darauf, dass wir Verantwortung übernehmen, Veränderungen anstreben und liebgewonnene Errungenschaften bewahren. Unser Gegensatz aus Spontanität und Langsamkeit ist zu schützen. Allein diese Fähigkeiten ermöglichen uns das unbedarfte Lächeln, das wir auf alten Fotos aus Studientagen häufig wiederentdecken. Die 68er postulierten: „Macht kaputt, was Euch kaputt macht!“ Wir könnten sagen: Lasst uns schützen, was wir verändern wollen.

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