Interscope/Polydor UK
Musik

Honeymoon

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Mit einer Stimmübung startet das dritte Album der Ausnahmekünstlerin Lana del Rey. Piano und Gitarre begleiten den Singsang. Ein Schlagzeug setzt ein. Del Rey bereitet sich vor und probt die Stimmfacetten. Bereits hier – direkt am Anfang – zeigt sich ein Unterschied zur ebenfalls brillianten Adele. Während sie derzeit mit “25“ Musik für Theatersäle konzipiert, offenbart “Honeymoon“ von Lana del Rey eine Kraft, die wohldosiert ahnen lässt, was sich fortan Bahn brechen soll. Das Album durchzieht Melancholie und Schwermut vermischt mit der Suche nach stillem Glück.

„I could drink it like tequila sunrise
Put on that Hotel California
Dance around like I’m insane
I feel free when I see no one
And nobody knows my name“

Der dritte Song “Terrence Love You“ ist ein erster musikalischer Höhepunkt. Del Rey lässt sich den Song entwickeln, nur um so kraftvoller den Zuhörer von sich zu überzeugen. Ein Saxophon drängt sich dazwischen. Fortan fällt kein Song mehr unter dieses Niveau zurück. In “High By The Beach“ lebt Lana del Rey ihre Rachefantasien aus und beweist eindrucksvoll, dass sie keineswegs nur den Beziehungsschmerz besingen, sondern auch mit Gewalt ausleben kann. Im entsprechenden Musikvideo tritt sie martialisch und kampferprobt auf. Genau wie bei einem nervenaufreibenden Film von David Lean folgt die Pause, die einen Luft holen lässt: “Burnt Norton“ kündet von den restlichen Tracks, die mit zum Besten gehören, was sich in diesem Jahr auf einer CD oder Schallplatte veröffentlichen ließ. Dazu gehört “Religion“, akustische und elektrische Gitarren wechseln sich ab und treiben die Stimme von Lana del Rey in ungewohnte Tonhöhen. Dem schließt sich “Salvatore“ an. Ein Traum. Eine Vision. Mein Favorit!

„And I will never sing again
And you won’t work another day
I will never sing again
With just one wave it goes away
It will be our swan song“

Allerspätestens mit “24“ muss jedem klar sein, dass er soeben einem raffinierten Meisterwerk lauschen durfte. Niemand hätte verwundert geschaut, würde dieser Song am Anfang eines James-Bond-Films die bevorstehenden Abenteuer einleiten. Geigen und Trompeten verleihen “24“ eine beeindruckende Sogwirkung. Auch Odysseus wäre einer solchen modernen Ligeia augenblicklich verfallen. Und nicht nur er. Einziger Wermutstropfen: Lana del Rey wird es schwer haben “Honeymoon“ zu übertrumpfen.

ALBUM: MP3 | CD | VINYL
Bild: Interscope/Polydor UK (All rights reserved)

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