Fernsehen Geschichte

Triviales Terra X

Terra X. Noch nie war diese ZDF-Sendung hochwissenschaftlich. Aber das war auch nie nötig. Gute historische Unterhaltung – mehr wollte und sollte es nicht sein. Historiker und Archäologen kamen zu Wort, man konnte sich bequem auf das Sofa setzen und dabei der Geschichte ihren Lauf lassen … . Stark waren die Dokumentationen wenn sie sich enge thematische Grenzen gesetzt hatten. Doch am heutigen Sonntag sollte der Komiker Hape Kerkeling das Format entern und sich gleich an die Weltgeschichte wagen. Ein Unterfangen das Scheitern musste – und es ist grandios gescheitert! Das hier leichte Unterhaltung serviert würde war klar und auch nicht schlimm. Problematisch wird es wenn Geschichte und ihre Interpretation im Deutschen Fernsehen in die Trivialisierung abrutscht.

So beginnt die Sendung mit einem kolonialen Feilschen. Hape Kerkeling im cremefarbenen Anzug verlangt eine günstige Nilüberfahrt um den deutschen Zuschauer die Pyramiden näher zubringen. Der Ägypter lehnt das Ansinnen des deutschen Pauschaltouristen erst ab. Das Gebaren endet mit dem dozierenden Hape Kerkeling auf der Reling des kleinen Nilschiffes. Bisher ist kein historischer Moment erlebbar geworden.

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Dafür folgt nun eine Hatz. Eine Hatz durch die Pralinen der Geschichte. Echnaton, Aristoteles, Alexander der Große und Qin Shihuangdi (Erster Kaiser von China). Dazwischen werden semispirituelle Religionsmythen präsentiert. Aton strahlt, Moses darf mal was sagen und Budda hat seinen fülligen Auftritt. Es folgen sinnfreie Zitate: „Sirenen – die Lady Gagas der Antike!“ Richtig absurd wird es, wenn die Hauptstadt Babyloniens mit „Rivers of Babylon“ von Boney M. eingeleitet wird oder Hape Kerkeling, begleitet von Mireille Mathieus „Akropolis Adieu“, durch die Gassen Athens schlendert. Das könnte Unterhaltung sein. Ich nenne es eine historische Verwurstungsmaschine, da geschichtliche Fakten, unterlegt mit dem Soundtrack des Oliver Stone Films „Alexander“, der Banalität preisgegeben werden. Auch die schauspielerischen Einlagen des Entertainers sind nur unfreiwillig komisch. Einen wissensvermittelnden Wert besitzen sie nicht.

Grotesk das Peter Lautzas, Ausschussmitglied im Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands, mit Blick auf die für Schulklassen zu nutzenden Unterrichtsmaterialien (!) meint: „Die überaus dichte Informationsfülle dieser Filme muss für den Schüler im konkreten Unterricht (…) noch etwas entzerrt werden.“ Jede weitere Geschichtszerrung scheint historische Leichenfledderei . Gespannt schaue ich auf die 6. Folge am Dienstag, den 8. November. Dort soll es um „Kriege und Supermächte“ gehen. Ich schaudere vor der Überlegung was uns da wohl geboten werden könnte. Oder frei nach Peter Lustig: Abschalten!.

Vier gute Alternativen:

Damals. Magazin für Geschichte und Kultur
Geschichtsblog
Zeitzeugen Berlin
Medien im Geschichtsunterricht / Ein Blog von Daniel Bernsen

Bild: © Rosel Eckstein / Pixelio.de

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