Politik

Ein Harz und eine Seele – Wahlkampf im Niemandsland

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Viel erfahren wir nicht von der Politik in Sachsen-Anhalt. Manchmal ist das auch ganz gut so. Politik in Sachsen-Anhalt funktioniert einfach nach anderen Spielregeln als im Rest der Republik. Würde die Immunität von Horst Seehofer, Ministerpräsident des Freistaats Bayern, vom Landtag aufgehoben, so wäre das eine Sensationsmeldung, die auch auf der Bundesebene seine Spuren hinterlässt. Viele Bürger erinnern sich jedoch nicht einmal an den Namen des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt. Das Rainer Haseloff (CDU) schon im Juli seine Immunität vor Strafverfolgung verloren hat, ist dagegen bei vielen vollends unbekannt. Es überrascht daher nicht wirklich das der Wahlkampf anlässlich der Bundestagswahl 2013 die ein oder andere Stilblüte im „Land der Frühaufsteher“ hervorbringt. Besonders interessant wird es, wenn man sich der Harz-Region im Westen des Bundeslandes nähert. Gleichzeitig zur Wahl des Deutschen Bundestages finden dort noch zwei weitere Wahlen im September statt. Zum einen wird ein neuer Landrat gewählt, weil der alte Landrat nun Karriere beim Ostdeutschen Sparkassenverband macht und zum anderen soll ein neuer Oberbürgermeister für die Kreisstadt Halberstadt gefunden werden.

Blühende Landschaften

Doch bleiben wir erst einmal bei der Bundestagswahl. Die CDU schickt erneut Heike Brehmer ins Rennen. Sie sitzt bereits seit 2009 im Bundestag. Eine Suchanfrage bei Google, ob es Neuigkeiten von der Abgeordneten gibt, ergibt leider nur drei Treffer. Womöglich hilft ein Besuch der Kanzlerin. Frau Merkel kündigte daher an am 22. August in Wernigerode den Wahlkampf von Heike Brehmer zu unterstützen. Zuvor hatten Mitarbeiter der Kanzlerin den Marktplatz von Quedlinburg als möglichen Besuchsort auserkoren. Doch die Baustelle auf dem Marktplatz und die Plattenbauten im Hintergrund störten wohl. Blühende Landschaften sehen schließlich anders aus.

Wahlplakat der Kanzlerin vor beschaulicher Kulisse

Wahlplakat der Kanzlerin vor beschaulicher Kulisse

Der SPD-Herausforderer Mario Hennig muss also schweres Geschütz auffahren, damit sein Einzug in den Bundestag, bei dieser Wahlkampfunterstützung von „ganz oben“ für Brehmer, überhaupt Erfolg haben will. Jetzt könnte überlegt werden, durch ein ausgefeiltes Programm die Probleme der Menschen im Harz zu erkennen, zu benennen und Lösungen anzubieten. Folglich durch ein starkes Programm die Kontrahentin unter Druck zu setzen. Mario Hennig hat sich aber dazu entschieden ein Lied zu singen:

Kann man machen. Muss man aber nicht. Es gilt abzuwarten wie die stets auf ein Späßchen ausgelegten Harzer auf diese unorthodoxen Wahlkampfmethoden reagieren werden.

Lokalpolitik wachküssen

So aufregend der Bundestagswahlkampf im Mittelgebirge, so langweilig plätschert der Kampf der Kandidaten um den Posten des Landrats dahin. Alleinig die vermutete Vermischung zwischen bisherigem Amt und der Kandidatur sorgt für Aufregung beim CDU-Kandidaten Martin Skiebe und beim SPD-Wahlkämpfer Dirk Michelmann. Nur das Bemühen um den Posten als Oberbürgermeister der Kreisstadt Halberstadt bringt Wind in die Lokalpolitik. Die CDU hat es gewagt einen Kandidaten unter der für Halberstadt magischen 50-Jahre Altersgrenze zu nominieren. Daniel Szarata wirbt sogleich mit einem aufrüttelnden Slogan und verlangt Halberstadt besser zu machen. Er geht sogar so weit die Kreisstadt regelrecht „wachzuküssen“.wachkuessen

An den verschiedensten Ecken der Stadt befinden sich deshalb überlebensgroße Banner, sogar weitaus größer als die von „Mutti“, die die frohe Botschaft verkünden. Die Lippen des Kandidaten sind gespitzt und bereit den gemeinen Halberstädter aus seiner Lethargie zu befreien. Natürlich gehört es sich für einen jungen Kanidaten der CDU auch die neuen Medien zu nutzen. Die große Anzahl von Videoschnipseln aus den 1990er-Jahren im nun folgenden Wahlkampfspot lässt jedoch die Vision einer Erneuerung der Stadt verschwimmen:

Sein Gegenkandidat Andreas Henke von der Partei „Die Linke“ hält nichts vom „wachküssen“ und verspricht das es einfach so weitergeht wie bisher. In Situationen wie diesen klingt das fast wie eine Drohung. Letztlich muss noch auf einen Artikel der Lokalpresse verwiesen werden. Die Stadtverwaltung von Halberstadt berichtete im Halberstädter Tageblatt vom 19. August stolz darüber, dass Stimmzettel zur Oberbürgermeisterwahl bis nach Thailand verschickt wurden. Direkte Bewohner von Halberstadt haben jedoch noch keine Wahlzettel erhalten. Eine fehlerhafte Excel-Datei hat dafür gesorgt, dass das Geburtsdatum der Kandidaten nicht mit gedruckt wurde. Ob also überhaupt im Harz gewählt werden kann steht noch in den Sternen. Die hier geborene Schlagersängerin Linda Hesse wirbt trotzdem fleißig für Jungwähler. In welchem Zusammenhang ihre Song-Veröffentlichung „Komm bitte nicht“ dazu steht ist bisher ungeklärt.

Der Kampf um die Wählerstimmen im Harz verspricht also spannend zu werden. Jetzt haben wir die Möglichkeit unseren Favoriten im Wahlkreis 68 des schönen Sachsen-Anhalts zu wählen. Glück auf!

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