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Fuck 2016! Die politische Satire ist sich sicher: 2016 wird kein gutes Jahr mehr. Ausnahmekünstler wie David Bowie, Prince und Leonhard Cohen verstarben. Noch weitaus schlimmer als der Tod berühmter Musiker sind die politischen Umwälzungen der letzten Monate. Verantwortlich dafür sind die Brexit-Entscheidung, genau wie die rechtspopulistischen Wahlerfolge in Europa und der Sieg Donald Trumps bei der US-Wahl am 9. November. Deutschland bleibt von diesen Wellen der Unwägbarkeiten und Gefahren für unsere Demokratie keineswegs verschont. Die zweistelligen Ergebnisse der AfD bei mehren Landtagswahlen sprechen eine deutliche Sprache. Das Land ist gespalten.

Die neue „Mitte“-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung verdeutlicht die Situation. Danach verteidigt zwar eine Mehrheit in der Bundesrepublik unsere Demokratie und engagiert sich für Flüchtlinge, gleichzeitig radikalisiert sich ein stetig größer werdender Teil der deutschen Bevölkerung. 40 Prozent der 2.000 befragten Personen verlangen „endlich wieder Mut zu einem starken Nationalgefühl“. Ein Viertel der Befragten geben an, dass die regierenden Parteien „das Volk“ betrögen. Verantwortung für die Radikalisierung tragen neurechte Gruppierungen. „AfD-Sympathisanten sind menschenfeindlicher und rechtsextremer eingestellt als Nicht-Sympathisanten“, erklären die Autoren der FES-Studie Beate Küpper, Daniela Krause und Andreas Zick. Und was tun wir dagegen?

Unsere Welt wird kälter. Wir sehen die Gefahren und brechen doch nicht aus der selbstverordnenten Unmündigkeit aus. Lieber noch eine Überstunde machen, damit der Chef einen guten Eindruck von uns hat. Lieber noch eine Folge Neo Magazin Royal mit Jan Böhmermann schauen und über die politische Inkompetenz der Regierenden lachen – nicht laut lachen, lieber ironisch schmunzeln. Schau mal, der Jimmy Fallon, hat dem Donald Trump durch die Haare gewuschelt. Der traut sich was. Sich politisch auf unsere Satiriker zu verlassen, die die Absurdität des politischen Alltags durchaus gekonnt darstellen, mag uns kurzfristig den Druck von der Brust nehmen, aber es kann das Engagement nicht ersetzen.

Wir ergehen uns in endlosen Zustandsbeschreibungen, konzentrieren uns lediglich auf das verstehen und vergessen dabei das handeln. Wenn wir jetzt in der außerparlamentarischen Opposition (APO) verweilen, uns auf’s Kopfschütteln beschränken und versuchen die politischen Misslichkeiten ironisch wegzulächeln, dann verändern wir überhaupt nichts. Im schlechtesten Fall verschlimmern wir die Situation und überlassen den Populisten das Feld. Nochmal: Was können wir tun? Na zum Beispiel in eine demokratische Partei eintreten. Um Gottes willen mag der ein oder andere stöhnen. Lieber kleinteilig und konkret in einer Initiative helfen. Sich die Rosinen aus dem Studentenfutter picken. Doch Demokratie ist kein Supermarkt. Heute dies und morgen jenes. Das große Ganze müssen wir in den Blick nehmen, damit das Konkrete geschützt bleibt. Die Parteiendemokratie ist nicht der Weisheit letzter Schluss, aber wir brauchen sie, um heute Entscheidungen herbeizuführen. Nur wir können beweisen, dass wir tatsächlich die Mehrheit sind.

Bild: Jim Pennucci / CC BY 2.0

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