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Adé Google – aber wohin jetzt?

Kommentare 5

Zwischen meiner Entscheidung die Google-Produkte nicht länger benutzen zu wollen und der tatsächlichen Umsetzung liegt genau ein Jahr. Dahinter steckt der Gedanke viele nützliche Dienste auf unterschiedliche Anbieter zu verteilen, um sich so weniger abhängig und angreifbar zu machen. Doch leichter gesagt als getan. Google vereint viele hilfreiche Dienste. Dazu gehört nicht nur die gute Suche, sondern auch der Datenspeicherdienst Google Drive, Gmail, Youtube, Google Docs, Picasa, Analytics usw. Die Liste könnte so unendlich lang fortgesetzt werden. Die Umstelldauer ergibt sich aus meiner Zusammenarbeit mit anderen Nutzern von Google-Diensten. Sie zu einem Wechsel zu bewegen, nur weil ich keine Lust mehr hatte die Datenkrake zu nutzen, gestaltete sich oft schwierig. Nachfolgend will ich euch einige sinnvolle Alternativen aufzeigen, die ihre Arbeit oft sogar besser machen als die vergleichbaren Google-Dienste. Zwei Dinge müsst ihr euch jedoch vorab zulegen. Einen Passwort-Manager (kostenfrei: KeePassX), um die Vielzahl an neuen Accounts mit sicheren Passwörtern zu versehen und zu verwalten, sowie ein wenig Geduld bei der Einrichtung. Einige der vorgestellten Dienste kosten darüberhinaus auch Geld. Es gilt die Regel: Wer ein kostenloses Produkt im Internet nutzt, der bezahlt letztlich mit seinen persönlichen Daten und Informationen.

E-Mail

Gmail macht Spaß – ohne Frage. Viel Speicherplatz, ein guter SPAM-Filter und stetige Erreichbarkeit. Wäre da nicht die Werbung. Google durchsucht mit einem Algorithmus jede Nachricht und blendet danach die dazu passende Werbung im Webmail-Editor ein. Google macht das unabhängig davon, ob ihr nun der NSA Geheimdokumente zukommen lasst oder eurer Großmutter vom letzten Urlaub berichtet. Wohin also wechseln? Gesucht ist ein Mailanbieter der eure Daten schützt. Wie wäre es da mit Posteo? Ihr erhaltet ein großes E-Mail-Postfach, stetige Verschlüsselung eurer Daten, eine werbefreie Webseite und bei der Anmeldung müsst ihr nicht einmal persönliche Daten angeben. Posteo.de hat seinen Sitz im hippen Berlin. Das ganze kostet 1€ im Monat. Bezahlen könnt ihr per Überweisung oder Paypal. Solltet ihr den deutschen Behörden nicht vertrauen, dann lagert doch eure sensiblen E-Mails in der Schweiz bei Mykolab.com. Die beste Lösung wäre natürlich eigener Webspace auf Servern die sich in Deutschland befinden. Oft bieten die Hoster gleichzeitig E-Mail-Dienste darüber an.

Videos und Bilder

Die Videoplattform Youtube funktioniert ganz gut ohne Google-Konto. Seine Favoriten kann man auch in der Adresszeile seines Browsers abspeichern. Die Kommentarfunktion habe ich bisher nicht gebraucht. Will man vollständig auf den Dienst verzichten empfiehlt sich Vimeo. Keine nervige Werbung, unlimitiertes HD und eine bessere Privace Policy. Hingegen der Bildbetrachter Picasa gleich viele andere stationäre Lösungen kennt. Warum muss auch immer alles in der Cloud abgelegt werden? Ein kostenfreier Bildbetrachter mit sinnvollen Bearbeitungsfunktionen ist doch schnell gefunden. IrfanView ist hier zu empfehlen.

Speicherplatz

Google Drive ist gut, aber Dropbox ist besser. Am sichersten ist natürlich auch hier wieder ein eigener Server. Empfehlenswerte Hoster mit Servern in Deutschland sind die RB-Media-Group, Hetzner und Host Europe.

Texte und Tabellen

Wer gerne online mit Freunden und Geschäftspartnern an Dokumenten arbeitet, der sollte sich ZOHO Docs einmal genauer anschauen. Alle Browser und Plattformen werden unterstützt. Die mobile Anbindung ist durch spezielle Apps gewährleistet. Texte, Tabellen, Präsentationen, Aufgaben können hier bearbeitet und geteilt werden. Ein kostenfreier Account inkl. 5 GB Speicherplatz ist flott eingerichtet.

RSS & Analytics

Wer einen eigenen Blog betreibt, der möchte natürlich auch wissen wer wann seine Seite besucht. Google bietet dafür das Tool Google Analytics an. Jedoch gibt es auch eine kostenfreie OpenSource-Variante mit dem einfachen Titel Open Web Analytics kurz OWA. Hat man einen WordPress-Blog ist die Installation denkbar einfach. Plugin herunterladen, installieren und aktivieren. Das war es schon. Sofern ihr bisher den RSS-Dienst Feedburner von Google genutzt habt empfiehlt sich jetzt Feedpress. Auf deren Webseite findet sich auch eine Migrationsanleitung, sofern ihr eure bisherigen RSS-Abonnenten problemlos mit trans­fe­rie­ren wollt.

Suche

Mit der Zeit passt sich die Google Suche euren Anfragen an. Unabhängig davon ob ihr einen eigenen Google-Account habt. Eure Suchanfragen werden in den Vereinigten Staaten gespeichert und können durch Werbeanbieter legal erworben werden. Cookies machen das möglich. Solltet ihr also keine Lust auf diese Verfolgung haben, dann probiert einmal DuckDuckGo aus. Hier wird nichts gespeichert und ihr bekommt ein ungefiltertes Netz. Der Firefox-Browser kann durch das entsprechende Addon von der eingebauten Google-Suche befreit werden.

Zum Schluss

Viele weitere Alternativen zu verschiedenen Google-Diensten ließen sich finden. Ein Anfang ist gemacht. Womöglich muss am Ende nicht vollständig auf die oft sehr nützlichen Tools verzichtet werden. Doch allzu einfach darf es sich nicht gemacht werden. Datensicherheit und -sparsamkeit lässt sich nie so bequem herstellen, wie es die Google Produkte oft suggerieren. Ihr könnt gern weitere Nicht-Google-Dienste in den Kommentaren nennen.

Artikelbild: Alexander Klaus / pixelio.de

 

5 Kommentare

  1. Sehr löblich und nachahmenswert! Da würde ich auch gerne mal hinkommen und ein Zeitplan von einem Jahr ist da doch recht realistisch.

  2. Sehr interessant Eric…du hast es mit deinem Artikel echt geschafft mich zum Nachdenken ueber Google anzuregen. Die Alternativen sind durchaus sehr gut, aber Google hat sich da leider ein echt gutes All-in-One Paket gezaubert und das alles „kostenlos“ aber nicht umsonst. Wie du trefflich beschrieben hast, bezahlt man mit seinen durchaus sehr wertvollen persoenlichen Informationen. Ich persoenlich nutze eigentlich nur Google Drive. Uebrigens noch ein heisser Tipp fuer ein sehr nuetzliches Addon fuer Firefox. es heisst „Self-Destructing Cookies“ (https://addons.mozilla.org/en-US/firefox/addon/self-destructing-cookies/?src=userprofile) und vernichtet nach eingestellten Regeln alle Cookies, somit kann zumindest die Cookie Flut mit gespeicherten persoenlichen Informationen eingedaemmt werden
    Viele Gruesse aus Moskau
    Daniel

  3. Stellt sich nur noch die Frage, wie man die Dokumente zum Beispiel aus Google Drive (Texte, Tabellen, Präsentationen) raus- und in den ggf. neuen Anbieter wieder reinbekommt. Und das möglichst komplett und nicht einzeln jedes Dokument …

  4. Pingback: Verschlüsselte Sparsamkeit › Eric Makswitat

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